Karin Rohner


Advents- und Weihnachtskalender
10. Dezember


Auf der Suche nach dem warmen Platz in der Erinnerung


Wildwechsel

Wildwechsel - von Karin Rohner

Wie der alte Christian Weihnachten feierte
von Paula Dehmel (Auszug)

 
Da, wo dichtes Astwerk den Schnee abgefangen hatte, so dass der Boden nur wenig damit bedeckt war, bauten wir unsere Speisekammern. Zwei Ecken einer Matte banden wir etwa meterhoch an einem Baumstamm fest, während die beiden anderen Ecken auf zwei in der Nähe eingebohrten Pfählen befestigt wurden.
So entstand ein gedeckter kleiner Raum, der den hungrigen Tieren gut zugängig war. Wir säuberten ihn vollends vom Schnee, und nun kam auch mein Korb und sein Inhalt an die Reihe. "Hier am Waldrand hält sich Meister Lampe gern auf," sagte der alte Christian; dabei langte er Kohlblätter und Rüben aus dem Korbe, um sie dem Häschen aufzubauen um ihm etwas seinen Winterhunger zu stillen. "Es ist ein Jammer, wie viel gutes unnütz auf dem Kehrrichthaufen verkommt", fügte er hinzu, "Wo doch so viel dankbares kleines Gesindel in der Welt umherläuft, ja, ja, der Mensch denkt kaum an seinesgleichen, wie sollte er der Kreatur gedenken." Ich nickte ernsthaft und nachdenklich, und dann gingen wir weiter.
Alle fünfhundert Schritte etwa schufen wir ein neues Tischlein-deck-dich. Aber nicht bloß für die Hasen, auch für die Vögel wurde liebevoll gesorgt. Futterkästen mit allerlei Samen, Sonnenblumen- und Kürbiskernen wurden in Ast und Strauch untergebracht; Talgklöße und Speckschwarten, ja ein paar ganze Gänsegerippe und Bratenkeulen mussten sich die Bäume aufbinden lassen. "Die sind für die Meisen und Spechte, auch für die Rotkehlchen und das andere kleine Viehzeug, denen der Flug übers Meer zu weit ist," meinte der Christian; "hoffentlich naschen ihnen die Krähen und Dohlen nicht das beste weg. Aber die wollen doch auch leben," fügte er leise hinzu, "auch dem Bösesten knurrt der Magen, ja, wenn der Hunger nicht wäre, wenn der Hunger nicht wäre!"
So stapften wir weiter durch den dichten Schnee, und während unser Gepäck immer leichter wurde, wurden unsere Herzen immer heller und weihnachtsfreudiger, und ich weiß nicht, wie es kam, plötzlich war mir das schöne Lied auf den Lippen, und ich sang es leise vor mich hin: "Es ist ein Reis entsprungen aus einer Wurzel zart . . ."
   


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Paula Dehmel



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