Advents- und Weihnachtskalender
18. Dezember

 
Auf der Suche nach dem warmen Platz in der Erinnerung


Rotkehlchen
 
In Großbritannien gilt das Rotkehlchen als Weihnachtsvogel

Das Rotkehlchen (Auszug)
aus den Christuslegenden von Selma Lagerlöf

"Denke daran, daß Du Rotkehlchen heißen sollst!" sagte der liebe Gott zu dem Vogel, als er fertig geworden war. Und er setzte ihn auf seine Handfläche und ließ ihn fliegen.

Und als das Vöglein eine Weile umhergeflogen war und die schöne Erde betrachtet hatte, auf der es nun leben sollte, spürte es auch Lust, sich selber zu beschauen. Da merkte es, daß es ganz grau war, und daß seine Brust ebenso grau wie alles andere aussah. Das Rotkehlchen drehte und wendete sich hin und her und spiegelte sich im Wasser, aber es vermochte kein einziges rotes Federchen an sich zu entdecken.

Da flog das Vöglein zum lieben Herrgott zurück.

Unser lieber Herrgott saß gütig und mild auf seinem Thron, aus seinen Händen lösten sich Schmetterlinge, die sein Haupt umflatterten, Tauben gurrten auf seinen Schultern und rings um ihn her entsproßten der Erde Rosen, Lilien und Tausendschönchen.

Das Herz des Vögleins pochte vor Angst heftig in seiner kleinen Brust, aber in leichten Bogen flog es näher und näher auf den lieben Herrgott zu und setzte sich schließlich auf seine Hand.

Da fragte der himmlische Vater, was es von ihm wünsche, und das Vöglein antwortete:
"Ich möchte Dich nur noch etwas fragen."
"Was willst Du also wissen?"

"Warum soll ich denn Rotkehlchen heißen, wenn ich doch vom Schnabel bis zur Schwanzspitze ganz grau bin? Warum werde ich Rotkehlchen genannt, wenn ich doch kein einziges rotes Federchen besitze?"

Und das Vöglein blickte mit seinen großen, schwarzen Augen flehend zu Gott dem Herrn empor und wandte das Köpfchen hin und her. Rundum erblickte es Fasanen, deren rotes Gefieder leicht mit Goldstaub gesprenkelt war, Papageien mit buschigen, roten Halskragen, Hähne mit roten Kämmen, und nun erst die Schmetterlinge, Goldfische und Rosen. Natürlich dachte das Vöglein bei diesem Anblick, wie wenig dazu gehörte – und wenn es nur ein einziger, kleiner Tropfen Farbe auf seiner Brust wäre – um es zu einem schönen Vogel zu machen, so daß sein Name passen würde.

"Warum soll ich Rotkehlchen heißen, wenn ich doch ganz grau bin?" wiederholte das Vöglein und erwartete, daß der liebe Gott sagen würde: "Ach, mein kleiner Freund, ich merke, daß ich vergessen habe, die Federn auf Deiner Brust rot anzumalen, aber warte nur einen Augenblick, dann wird die Sache bald erledigt sein."

Doch der liebe Gott lächelte nur mild und sprach: "Ich habe Dich Rotkehlchen genannt, und Rotkehlchen sollst Du heißen, doch mußt Du selber zusehen, daß Du Dir Deine roten Brustfedern verdienen magst." Und dann erhob Gott der Herr die Hand und ließ den Vogel aufs neue in die Welt hinausflattern.

Und hier steht die vollständige Legende vom Rotkehlchen


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Advents- und Weihnachtskalender - Geschichten zu Advent und Weihnachten

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