Karin Rohner


Advents- und Weihnachtskalender
12. Dezember


Auf der Suche nach dem warmen Platz in der Erinnerung


Geschenk

"Geschenk" - PC-Grafik von Gisela Schlüter


Von der Kunst des Schenkens
(Auszug)
 
von Otto Ernst (1862-1926)
 
An solchen Festen soll ja der Beschenkte "von dem goldenen Überfluss" der Welt kosten, und man soll ihm spenden, was ihm unter gewöhnlichen Umständen nicht erreichbar wäre. Wenn der arme Teufel barfuß läuft, so schenkt ihm Stiefel und Strümpfe. Wenn er aber des Leibes Notdurft hat, so schenkt ihm eine Trüffelwurst oder eine Radierung von Klinger oder - warum nicht, wenn er sich's wünscht - eine kleine Drehorgel, gerade weil es Verschwendung ist, weil es Luxus ist, weil es ein Spiel ist. Ach, mein Gott, wir haben  ja alle das Spiel so nötig. Dazu sind uns ja Tage des Festes gegeben, dass wir einmal herauskommen aus der Trivialität der Regelmäßigkeit. Darum verzehrt man ja auch am Weihnachtsfeste so viele Hasen, Gänse, Karpfen, Kuchen. Äpfel, Nüsse, Mandeln, Rosinen, Feigen und Apfelsinen mit den dazugehörigen Getränken, weil selbst die geregelte Verdauung unterbrochen werden muss, wenn sie nicht langweilig werden soll.

Ich kann euch sagen, ich hab die Nützlichkeit geschmeckt. Als ich vierzehn Jahre alt war, da hieß es: "Der große Junge braucht wohl kein  Spielzeug. Der kriegt diesmal was Praktisches." Natürlich stimmte ich zu; es war ja noch vierzehn Tage vor Weihnachten. Ich,  ein junger Mann von vierzehn Jahren soll mir Spielsachen schenken lassen? Lächerlich! Als dann aber die Bescherung kam, da waren wirklich keine da! Die jüngeren Geschwister hatten niedliche Windmühlen, Baukästen und Hühnerhöfe, aber ich hatte nicht ein einziges Stück. Nur Kragen, Strümpfe, Halstücher. Geweint hab ich sehr, aber nur nach innen. Zwei oder drei bitterheiße Tropfen. Nach außen hab ich den jungen Mann aufrechterhalten. Ein paarmal hab ich mich wohl vergessen und heimlich mit den Sachen der anderen gespielt, aber mit vierzehn Jahren ist man auch noch ein recht junger Mann. Als ein jüngerer Bruder mich verspottete, vermochte ich ihm mit Hoheit und einem tiefen Jungenbass zu erwidern: "Du Dummbart, ich wollte nur mal sehen, wie sie eingerichtet ist!"
 
Wenn eure Kinder mit vierzehn, sechzehn, achtzehn Jahren und später noch spielen wollen, so stört sie nicht. Denn das sind gewöhnlich die Menschen, die draußen in der ernsten Welt ihr Werk mit froher Kinderkraft angreifen und die mit Lächeln bewältigen, was dem Pedanten unmöglich schien.

Hier habe ich die vollständige Geschichte aufgeschrieben:

Von der Kunst des Schenkens

Mehr über Otto Ernst


Karins Adventskalender
Kalender zwischen den Jahren
Internet-Weihnachten
Kontaktformular
Autorin 
zum 13. Dezember


Weihnachtskalender

Advents- und Weihnachtskalender - Geschichten zu Advent und Weihnachten

© 2012 by Karin Rohner

Impressum

Gemischte Genres Top1000